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Ausstellungsdauer: 21. September - 02. November 2008 täglich 10:00 – 17:00 Uhr Eröffnung: 21. September 2008, 11:00 Uhr

Alfredo Barsuglia

The Importance of Being Beautiful

Ein leerer Raum. Die Szene nach dem Fest. Die Gäste haben den Schauplatz bereits verlassen. An der Decke eine Discokugel. Der Geruch der eben noch herrschenden Ausgelassenheit erfüllt den Raum. In der Mitte des Raumes ein verlorener Damenschuh. Wem gehört er? Wer hat ihn verloren? Warum wurde er verloren? Und warum hier? Was ist passiert? Die Szenerie erinnert an das Märchen von Aschenputtel aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, in dem fortan nach der Besitzerin des Schuhs gefahndet wird. Sitzt die rechte Braut noch daheim?
Alfredo Barsuglia, 1980 in Graz geboren, studierte von 1999 bis 2003 Malerei und Grafik an der Wiener Universität für Angewandte Kunst, an der Akademie der Bildenden Künste und an der Krakauer Akademia Sztuk Pieknych. In seiner Installation stellt er die Frage nach der Dauerhaftigkeit von Glamour und Starkult. Welche sind die Mechanismen für die Akzeptanz von Schönheit? Er spielt mit den Stilelementen des Märchens ebenso wie mit erotischen Anspielungen und Seitenblicken in die Welt des Showbiz. Nichts ist sicher. Außer: Schönsein ist wichtig. Schönsein mit Ablaufdatum.
Martin Behr

Der junge aufstrebende Künstler Alfredo Barsuglia, der vielen durch seine Portraits, bei welchen die Dargestellten mit Produkten aus der Zahnhygiene ausgestattet sind, bekannt ist, hinterfragt mit seiner Ausstellung, vom 21. September bis 2. November 2008, im Gironcoli Museum, nicht nur gängige Schönheitsideale, sondern auch die Stabilität unserer Grundbedürfnisse. Wie Bruno Gironcoli, der in seinen Skulpturen Gegenstände des alltäglichen Lebens wie Schaufel oder Besen einarbeitet, beschäftigt sich Alfredo Barsuglia in seinen Zeichnungen und Malereien immer wieder mit einem ganz banalen Akt: dem ritualisierten Akt der Mundhygiene.

Als Maler prägten Barsuglia die Portraits von Hans Holbein d.J. Nur als Maler? Der stupende Naturalismus des Renaissancemeisters spielt dabei eine Rolle; die perfekte Simulation dessen, was sich dem Auge bietet. Ebenso bedeutsam ist jedoch, wie dieser Naturalismus in sein Gegenteil kippt, wie die erstarrte Makellosigkeit des Gezeigten, seine überschießende Präsenz auf der Leinwand den Gegenständen eine Aura des Unwirklichen verleiht, ein Phänomen, wofür viel später die Bezeichnung „Magischer Realismus“ geprägt werden sollte.
Alfredo Barsuglia erweitert in seinen Bildern den aus der Kunstgeschichte bekannten Magischen Realismus zu einer postmodernen Sachlichkeit.
Rolf Wienkötter

Die bezwingende Wirkung seiner ausschließlich in Acryl gemalten Portraits erzeugt den Schein von Präsenz. Mit feinem Pinsel werden Gesichter modelliert, die einen vorbehaltlos ansehen. Man studiert das feine Geflecht der Haare, deren zarte Linien Ohren und Hals umspielen. Die Faltenwürfe der meist einfärbigen Bekleidung sind plastisch herausgearbeitet. Nie scheint der Künstler mehr Linien als nötig zu ziehen, und doch erfasst seine Malerei jede Haarwurzel.
Kaum merklich sind die Portraits am oberen Rand des Bildes angeschnitten; unser Auge erfasst diese Irritation im ersten Moment nicht. Die Beschneidung der Figuren führt zu einer eigenwilligen Bildbegrenzung.



Ganz still und ernst sind seine Mädchen und Jungen, versunken in unheimlichen Gleichmut. Die dargestellten Personen zeigen sich als Mundhygieniker in kaum definierten Räumen, wickeln hauchdünne Zahnseide um ihre Finger, tragen OP-Hauben oder einen sterilen Mundschutz.
Als Vorlage benutzt Barsuglia Fotografien, die im Studio nach seinen genauen Anweisungen entstehen. Barsuglia versucht dabei nicht einen Moment festzuhalten und erzählt keine Geschichten – es gibt weder Vorher noch Nachher. Seine Malerei ist weder von einem dynamischen Duktus noch von einem expressiven Gestus geprägt, sondern vielmehr getragen von einer präzis durchdachten Komposition. Alfredo Barsuglia reduziert das Bild auf das Wesentliche der Portraitdarstellung, auf den Kopf und den Oberkörper.
Barbara Horvath

Vor allen Dingen aber zeigt Barsuglia keine Individuen, sondern Platzhalter eines gesellschaftlichen Zustandes. Es sind die alltäglichen Rituale, für die er sich interessiert, die existentiellen Vorgänge, die wir alle mit gewohnter Selbstverständlichkeit vollziehen und die gerade deshalb unserer Aufmerksamkeit entgehen. Das Essen stand am Anfang; von dort war es nicht weit zum Bereich der Mundhygiene, die seit 2003 Barsuglias Arbeit dominiert.
Die Zähne markieren eine Schnittstelle zwischen Innen und Außen, sind krudes Werkzeug und zugleich essentiell für jedes Lächeln, mit dem wir uns der Welt öffnen, durchaus im wörtlichen Sinn. Gesundheit und Schönheit, medizinisch Gebotenes und ästhetisch Gewolltes liegen kaum dichter beieinander als bei den Zähnen; ihrem Erscheinungsbild traut man einen hohen Informationswert über die generelle Befindlichkeit und Vitalität eines Menschen zu. Schönheitsvorstellungen haben hier den kleinsten Spielraum: was schöne Zähne sind, steht außer Streit.
Rolf Wienkötter