Eröffnung: 25. Juli 2008, 15:00 Uhr
Zu Gironcoli, eine Hommage II
mit Werken von Manfred Erjautz, Grübl & Grübl, Rosa Hausleithner, Christian Konzett, Teodora Nikolova, Peter Sandbichler, Nicole Six & Paul Petritsch.Der Raum im Mittelpunkt
Anschließend an die Ausstellung im Vorjahr „zu Gironcoli, eine Hommage“ zeigen erneut ehemalige SchülerInnen des Meisters einen ganz unterschiedlichen Umgang mit dem Thema „Raum“. Dabei stellen sich die Fragen: Wie nutze ich den Raum im Angesicht der enormen und nicht wenig dominanten Skulpturen Gironcolis? Wie löse ich ihn auf? Man muss ein bisschen von der Präsenz zurücknehmen, eine Negativform zur Form schaffen, etwas der Imposanz entgegen stellen, das nicht auf Konfrontation aufgebaut ist, sondern leicht ist, willkürlich. Bruno Gironcoli selbst will, dass die Werke seiner Nachfolger andersartig sind, ihn nicht kopieren, nicht nachahmen, sondern weiterführen. Der Versuch, durch Kunst im öffentlichen Raum gesellschaftliche Strukturen zu verändern, die Auflösung der Grenzen zwischen verschiedenen Kunstdisziplinen oder die Einbeziehung von Medien sind Schritte in die Kunst des 21. Jahrhunderts, von der wir erst rückblickend ein Resümee ziehen können.
Daneben ist das Ausloten aller materiellen Möglichkeiten in der Skulptur der Moderne geradezu ein Topos. Die Künstler machen in unterschiedlichem Maß das Material zu ihrem Thema, das immer jedoch in sich bereits eine Bedeutung hat, da es entweder einem schon bestehenden funktionalen Zusammenhang entrissen wurde, oder aus einem vollkommen kunstfernen Kontext in die Skulptur eingebracht wird.
Der gebürtige Grazer Manfred Erjautz zeigt mit seinen „Shelter“ - Skulpturen makellose Schaufensterpuppen, die mit Textilien, Bild- und Schriftzeichen straff überzogen wurden und den Betrachter von der Oberfläche weiter führen zu einem Betrachten des Inneren. Er kehrt das Innen nach außen. Gleichzeitig schafft die Oberfläche der Skulpturen durch ihre Textelemente Assoziationen beim Betrachter, die rein auf dessen individuellen Erfahrungen beruhen.
Rosa Hausleithner beschäftigt sich u.a. mit fiktionalen Räumen. Sich den Gesetzen der geometrischen Perspektive widersetzend, kreiert sie durch ausschnitthafte, oft fragmentarische Ansichten und eine gänzlich ungewohnte Farbgebung Räume in Räumen, wodurch der Raum an sich scheinbar aufgelöst scheint. Der Betrachter wird irritiert, seine angelernten Sehgewohnheiten gebrochen.
Die Geschwister Elisabeth und Manfred Grübl intervenieren mit ihrer Installation in den Innen- und Außenraum. Drei gestapelte Monitore zeigen eine schwarze zur Bildschirmgröße kongruente Fläche, die sich von oben nach unten durch die Monitore schiebt. Dadurch hat man als Betrachter den Eindruck, die Bildschirmoberfläche und der Raum werden abgenommen, ohne dass man diesen Vorgang von außen beeinflussen kann. Christian Konzett arbeitet mit oft kritischer Textkunst und Kunst im öffentlichen Raum.
Teodora Nikolova zeigt eine Videoinstallation aus zwei Bildern mit Ton, bei der in Intervallen von fünf Minuten ein Zug den Innenraum durchbricht.
Peter Sandbichler fertigt Wandarbeiten aus getriebenem Blech.
Das Künstlerduo Nicole Six und Paul Petritsch testen mit ihren Experimenten Grenzen aus, oft um Begrenztheit zu überwinden, die uns vertraute Sicherheit in den Räumen unseres Alltags auf die Probe zu stellen und durch provozierte Extremlagen bewusst eine Veränderung von Räumen und deren Wahrnehmung hervorzurufen. In ihrem Projekt lösen sie den vorhandenen Raum mit dem Flug eines Raben auf und verwandeln das Gironcoli Museum für einen Tag in eine Vogelvoliere.
Kurator: Werner Würtinger
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