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Die Freiheit, nichts zu erkennen oder „auf einmal kann ich sehen und mir kommt vor, ich war vorher blind“ „Tobias Pils“

Vernissage: 3. Oktober 2009, 11.30 Uhr
Zur Ausstellung spricht: Ferdinand Schmatz

Zum Auftakt des Herbstes und Abschluss der Saison, die am 2. November zu Ende geht, zeigt der Verein der Freunde des Gironcoli Museums nun eine weitere Ausstellung im Museum sowie im angrenzenden Historischen Meierhof. Zu sehen sind Werke des zeitgenössischen österreichischen Malers, Grafikers und Installationskünstlers Tobias Pils.

Tobias PilsTobias Pils (geb. 1971 in Linz) studierte von 1990 bis 1994 Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Er wurde für sein Werk unter anderem mit dem Otto Mauer Preis sowie mit dem Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet.

Er spielt mit Kontrasten, klaren Linien, Flächen, unfertig wirkenden Passagen und einem minimalistisch anmutenden Pinselstrich. Er übermittelt dem Betrachter eine Botschaft. Eine Botschaft jedoch, die alles und nichts bedeuten kann. Jede neuerliche Betrachtung lässt Unerwartendes entdecken. Sind es Motive oder doch nur abstrakte Ornamente?
Was oder wer steckt dahinter? Ist es die ewige Suche nach der Wahrheit?

Tobias PilsTobias Pils zeigt im Gironcoli Museum Malereien und Grafiken, die ausschließlich in schwarz, weiß und grau gehalten sind. Diese Bilder zu betrachten, bedeutet sich auf eine Fährtensuche zu begeben, Spuren aufzunehmen, sie zu Konfigurationen zu verdichten und diese wieder aus den Augen zu verlieren, Gegenständliches zu vermuten und doch zugleich dessen fiktionale Struktur zu durchschauen. Man kann angesichts dieser Bilder erkennen, wie verführbar der Blick ist, wie sehr er Zeichen und Markierungen als Darstellungen deutet bzw. wie sehr das Gestaltsehen einen Versuch der Orientierung allen Tatsachen zum Trotz darstellt. Pils hält dieses Spiel der Assoziationen in der Schwebe und hebt es als Thema ins Bewusstsein. So sieht man sich Werken gegenüber, die von Scheinhaftigkeit und ephemeren Zusammenhängen zeugen und dies nicht verbergen. Arbeiten, die also absichtlich das Eindeutige fliehen und ein permanentes Abweichen von vordergründigen Lösungen als die denkbar präziseste Aufgabe, die ein Kunstwerk einzulösen vermag, vermitteln. (Rainer Fuchs)

Die Kombination der Werke von Tobias Pils mit den Skulpturen Bruno Gironcolis ist keine zufällige. Beide Künstler lassen dem Betrachter enormen Freiraum für eigene Interpretation. Bruno Gironcoli, der seinen Werken keine Titel verleiht genauso wie Tobias Pils, der jegliche Eindeutigkeit in seinen Bildern zu vermeiden sucht und das Festgelegte flieht, um damit vorschnellen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen und zu nachhaltigen Einsichten zu gelangen. Die Kunstwerke können nicht einfach konsumiert werden, sondern verlangen nach einer aktiven Interpretation des Betrachters.

Tobias PilsWährend eine Richtung der abstrakten Kunst darauf abzielt, den Betrachter hinter den abstrakten Linien Gegenstände erkennen zu lassen, verfolgt Tobias Pils in seiner Kunst ein anderes Ziel: zu verhindern, dass sich das Auge nicht frei bewegen kann. Es soll nicht darin gefangen sein, vermeintliche Gegenstände oder etwaige Vorbilder in seinen Bildern zu erkennen, indem es bereits Gesehenes damit assoziiert. Was man in Tobias Pils’ Bildern erkennt, ist „nichts“. Und genau dieses „Nichts“-Sehen führt den Betrachter schließlich zurück zum Sehen. Oder wie Jessica Hausner in „Botschaft aus dem All. Zu den Bildern von Tobias Pils“ so treffend beschreibt: „ (...) gerade war ein Tisch noch ein Tisch, jetzt ist er es nicht mehr. (...) auf einmal kann ich sehen und mir kommt vor, ich war vorher blind.“ 

Tobias PilsUnter anderem war Tobais Pils in folgenden Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten: Genia Schreiber University Gallery, Tel Aviv 2008 | Tresor BA Kunstforum, Wien 2008 | Lentos Kunstmuseum, Linz 2007 | ORF Landesstudio, Linz 2007 | Museum Stift Admont (mit Michael Kienzer, Markus Wilfling) 2007 | Zacherl Fabrik, Wien (mit Michael Kienzer, Brigitte Kowanz, Esther Stocker) 2006 | Galerie am Stein, Schärding 2006 | Galerie CC, Graz (mit Bernhard Fuchs) 2005 | Österreichischer Skulpturenpark, Graz (mit Patrick Pulsinger)  2005 | Galerie Paul Hafner, St. Gallen 2005 | Galerie Eugen Lendl, Graz 2004 | Galerie Storrer, Zürich 2004.

Tobias Pils erhielt für sein Schaffen unter anderem folgende Auszeichnungen: Talentförderungspreis des Landes Oberösterreich | Hauptpreis des Österreichischen Grafikwettbewerbs, Innsbruck | Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung | Otto Mauer Preis | Staatsstipendium für bildende Kunst.

Dauer der Ausstellung:
3. Oktober – 2. November 2009, täglich von 10.00 – 17.00 Uhr


Mit Dank an: Tobias Pils
www.tobiaspils.com