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Ausstellungsdauer: 14. Juli - 04. November 2007 täglich 10:00 - 17:00

Ferdinand Georg Waldmüller und seine Zeit

Belvedere


Johann Peter Krafft Marie Krafft am SchreibtischDie Zeit, in der Waldmüller lebte, ist unter dem Begriff "Biedermeier" in die Geschichte eingegangen. Es handelt sich dabei um die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt, um die Jahre zwischen dem Wiener Kongress von 1814/15 und der Wiener Revolution von 1848.

Der Epochenbegriff vermittelt jedoch eine Stimmung, die das Besondere dieser Zeit verfälscht. So ist ausreichend bekannt, wie sehr die Bevölkerung unter dem repressiven System Metternichs gelitten hat. Auch wissen wir von den sozialen Missständen im Handwerkerstand und bei den Arbeitern, die sich über die „soziale Frage“ in jener Zeit zu formieren begannen. Zugleich war das Volk von ungemeiner Lebenslust erfüllt, die sich auf den Kirtagen und Praterfesten äußerte, bei den Konzerten von Johann Strauß Vater oder Josef Lanner, sowie auf Bällen, wo der gerade eingeführte Walzer der König aller Tänze war. Vor allem aber war es die Zeit des prosperierenden Bürgertums. Zahlreiche Firmen wurden gegründet, man nutzte die Ressourcen der Kronländer und exportierte die Ware bis nach Nordamerika.

Johann Peter Krafft Marie Krafft am SchreibtischIn Anbetracht dieser Überlegungen erscheint der Begriff „Biedermeier“ nicht passend, denn Menschen, die in einem solchen Milieu aufwachsen, in einer Epoche leben, die von Veränderungen und Neuerungen geprägt ist – sozusagen am Puls der Zeit sind - können gar nicht bieder sein, ganz im Gegenteil…!

Nur wir, die wir „lebensechte“ Bilder vom Fernsehen oder von illustrierten Zeitungen kennen, tun die Schilderungen vom damaligen Alltag als banal ab und vermeinen darin eine weltabgewandte Geisteshaltung zu erkennen. Doch darf nicht vergessen werden, dass die Kunst bis dahin das tägliche Leben nur selten thematisiert hat. Erst im frühen 19. Jahrhundert strebten die Maler danach, die Szenen so natürlich wie möglich darzustellen. Ab nun berichten Gemälde mit bisweilen ungeschöntem Realismus von den angenehmen und trostlosen Seiten des Bauernstandes, von geheimen Winkeln in Wohnräumen oder von Schicksalsschlägen und Armut.

Johann Peter Krafft Marie Krafft am SchreibtischWaldmüller ist der bedeutendste Maler seiner Zeit. Er hinterließ nicht nur in der Genremalerei, sondern auch im Porträt, in der Landschafts- und Stilllebenmalerei die vorzüglichsten Leistungen. Das Belvedere ist mit annähernd 80 Werken im Besitz der weltweit größten Sammlung von Waldmüllerbildern. Diese, wie auch die aus mehreren hundert Arbeiten bestehende Sammlung des sogenannten „Biedermeier“ bilden aufgrund ihrer hohen Qualität und zahlreich vertretenen Künstler das Kernstück des Belvedere. Sie bieten den wohl umfangreichsten und ansehnlichsten Überblick über die realistische Kunstentwicklung in der ersten Hälften des 19. Jahrhunderts.

Das Bestreben des Gironcoli Museums, eine Plattform für moderne Kunst zu schaffen und sich zugleich international zu positionieren, hat sich erfolgreich weiterentwickelt. Die Idee, Kunst aus den Ballungszentren in den ländlichen Raum zu verlagern, ist geglückt. Der Grundgedanke, immer wieder neue Impulse zu setzen und Kunst an diesem Ort so erreich- und erlebbar wie möglich zu machen, führte nun zu einer Kooperation mit dem Belvedere. So sind erstmals bedeutende Kunstwerke der Republik in der Sonderausstellung „Ferdinand Georg Waldmüller und seine Zeit“ in Herberstein zu sehen.

Kurator: Dr. Sabine Grabner, Kuratorin für 19. Jh. im Belvedere.

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