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Akte einer kontrollierten Augenlust: Branko Lenart im Gironcoli Museum

 

Der Verein der Freunde des Gironcoli Museums zeigt unter dem Titel Body.Language Fotoarbeiten 1971 – 2009 Werke des slowenischen Fotokünstlers im Historischen Meierhof beim GARTENSCHLOSS Herberstein

 

Vernissage: 26. Juni 2010, 11.30 Uhr

Zur Ausstellung spricht: Dr. Werner Fenz

Akte einer kontrollierten Augenlust
Fotografische Augen haben sich bereits im 19.Jahrhundert dem nackten, vorwiegend weiblichen, Körper zugewandt. In keinem anderen Themenbereich, auch der künstlerischen Fotografie, sind freilich aufgrund der im Mittelpunkt stehenden sinnlich-erotischen, nicht zuletzt sexuellen, Komponenten die Qualitätsparameter des explodierenden Angebots derart in Gefahr neben dem „reizvollen“ Bild überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

Nennt Branko Lenart die aus Fotografien seit 1971 zusammengestellte Werkserie deshalb Body.Language, um sich gegenüber dem weiten Feld der Aktfotografie abzugrenzen oder öffnet er den Blick auf eine andere Sicht und eine weiterführende Erfahrung der Nacktheit? Auf vielfältige Art und Weise liegen Antworten auf diese Frage vor uns. Speziell die Körperfragmente, die vor Landschafts- und Naturtexturen platziert sind, erweitern das geläufige Vokabular. Hände und Arme, Füße und Beine sind zu skulpturalen Formen „verkürzt“ und kontrastieren mit dem Oberflächenrelief des Felsens. Oder: Vor dem weiten Horizont des Wassers bauen sich aus Gliedmaßen statuarische Elemente auf, die sich, vielleicht überraschend, in deutlicher Weise mehr Raum verschaffen als das der kompletten Gestalt gelingen würde. Ein ebenso charakteristisches wie unverwechselbares Moment dieser Bildthematik liegt in der besonderen Art der Kommunikation mit dem nackten Körper. Es ist der Fotograf selbst, der mit dem Körper als Gegenüber durch die ausgestreckten Hände interagiert und den Moment der Aktion in eine strenge dauerhafte Komposition kippt. Schattenmarkierungen auf dem „verhüllten“ weiblichen Akt lassen diesen in der weiten Landschaft wie eine fremdartige Stele erscheinen. Der zu Stein gewordene nackte Mensch wird in Ausschnitten fotografisch reproduziert wie er auch einem in derselben Haltung und im selben Format am felsigen Strand liegenden gegenübergestellt ist.

Mit dem gewählten Fokus auf die Körpersprache weitet Lenart das klassische und beliebte Motiv des Aktes aus. Dieser Zugang bedeutet nicht die Verdrängung oder gar den Verlust der Nacktheit, er verweist vielmehr darauf, dass es Haltungen, Gesten, Berührungen, dass es im einen oder anderen Fall jene Größe des menschlichen Körpers geben kann, die ihm im weiten Raum der Natur seinen Platz sichert. Historie und Gegenwart, Künstliches und Natürliches bilden den Projektionshorizont für die Begegnung mit einem Motiv, das sich hier nicht ausschließlich in der nackten Augenlust erschöpft.             (Werner Fenz)

Branko Lenarts Arbeiten befinden sich in nationalen und internationalen Sammlungen, u. a. Albertina, Wien | Archivio fotografico, Trieste | Arhitekturni muzej, Ljubljana | Bibliothèque Nationale, Paris | Fundació Joan Miró, Barcelona | Lentos Kunstmuseum, Linz | Musée d’art et d’histoire, Fribourg | Musée de la Photographie André Villers, Mougins | Museum der Moderne, Salzburg | Neue Galerie/Landesmuseum Joanneum, Graz | Römerquelle Kunstsammlung, Wien | Sammlung Fotografis Bank Austria, Wien | The Inge Morath Foundation, New York.



Dauer der Ausstellung:
26. Juni bis 10. September 2010,
täglich 10.00 bis 17.00 Uhr